Werden Sie Mitglied in einem unserer Ortsvereine in Baden und profitieren von vielen Vorteilen!

» Anfrage Mitgliedschaft
Linke Navigation
Menü
Topthemen einblenden
Topthemen

Urteile

Aktuelle Rechtsprechung!

Hier finden Sie interessante und nützliche Rechtsprechung zu den Themen Mietrecht, Wohnungseigentumsrecht, Baurecht, Nachbarrecht und anderen Rechtsgebieten rund um das Thema Immobilien und ihre Bewirtschaftung.

Das aktuelle Urteil:

BGH-Urteil V ZR 68/25 vom 12.06.2026

BGH stärkt Beschlusszwang bei baulichen Veränderungen in der WEG


Der Sachverhalt

Eine Eigentümerin einer Doppelhaushälfte auf Sylt hatte ohne vorherigen Beschluss der Gemeinschaft umfangreiche bauliche Veränderungen an Fassade und Fenstern vorgenommen sowie ein neues Gartenhaus errichtet. Die Wohnungseigentümergemeinschaft bestand nur aus zwei Eigentümerinnen. Die Gemeinschaft verlangte den Rückbau.

Die Vorinstanzen gaben der Gemeinschaft Recht. Die betroffene Eigentümerin wollte in der Revision erreichen, dass die Maßnahmen nachträglich gestattet werden.

Die Entscheidung

Der BGH bestätigte: Bauliche Veränderungen am Gemeinschaftseigentum brauchen grundsätzlich vorher einen Beschluss oder eine Gestattung durch Beschluss. Das gilt auch bei einer kleinen Zweier-WEG und damit auch bei Doppelhaushälften, wenn die Gemeinschaftsordnung nichts anderes regelt.

Für Eigentümer bedeutet das: Auch wenn die Anlage faktisch wie zwei getrennte Häuser wirkt, darf nicht einfach eigenmächtig umgebaut werden. Soll eine Zweier-WEG wie real geteilte Grundstücke behandelt werden, muss dies klar in der Gemeinschaftsordnung stehen.

Ein Sondernutzungsrecht am Garten reicht für größere bauliche Maßnahmen wie ein Gartenhaus regelmäßig nicht aus. Auch optische Veränderungen an der Fassade können eine rechtlich relevante Beeinträchtigung darstellen, selbst wenn der Umbau subjektiv als gestalterische Verbesserung empfunden wird.

Wichtig ist außerdem: Eine Bepflanzung, die den Umbau derzeit verdeckt, beseitigt die Beeinträchtigung nicht. Pflanzen können entfernt werden oder eingehen; ein Gestattungsbeschluss wirkt dagegen dauerhaft.

Teilweise verwies der BGH den Fall zurück: Bei dem Austausch bereits vorhandener Fenster beziehungsweise Terrassentüren und beim Gartenhaus muss das Berufungsgericht genauer prüfen, ob tatsächlich eine erhebliche Beeinträchtigung vorliegt.

Teilweise hatte die Revision der Beklagten dennoch Erfolg. Das Berufungsurteil wurde aufgehoben, soweit es um den Austausch eines bereits vorhandenen Fensters an der Nordfassade, vorhandener Terrassentüren an der Südfassade und die Errichtung des neuen Gartenhauses ging. Insoweit hatte das Berufungsgericht nach Ansicht des BGH nicht ausreichend geprüft und begründet, ob diese Maßnahmen für sich genommen eine rechtlich erhebliche Beeinträchtigung darstellen. Die Sache wurde daher in diesem Umfang an das Berufungsgericht zurückverwiesen.

Fazit

Für die Beratungspraxis von Haus & Grund ist das Urteil ein klarer Hinweis: Wohnungseigentümer sollten bauliche Veränderungen am Gemeinschaftseigentum niemals ohne vorherige Beschlussfassung beginnen. Das gilt auch in vermeintlich einfachen Konstellationen wie Doppelhäusern oder Zweiergemeinschaften.

Empfehlenswert ist, vor Beginn jeder Maßnahme zu prüfen, ob Gemeinschaftseigentum betroffen ist, ob die Gemeinschaftsordnung Sonderregeln enthält und ob ein Gestattungsbeschluss erforderlich ist. Andernfalls drohen Rückbauansprüche – auch dann, wenn die Maßnahme baurechtlich zulässig ist oder optisch verdeckt wird.

Sie sind unsicher und haben noch Fragen? 

Ihr Ortsverein berät Sie gerne!

Die in diesem Artikel gegebenen Informationen stellen keine rechtliche Beratung dar. Sie sind allgemeiner Natur und sollen lediglich einen Überblick über das Thema bieten. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der Informationen übernommen.

Urteile

21.05.2026
Vermittlungsprovision bei gleichzeitiger Wohnungsverwaltung unzulässig
24.04.2026
Zuständigkeit für Balkonsanierungen in der Gemeinschaft der Wohnungseigentümer
27.03.2026
Keine starre „Drei-Angebote-Regel“ im Wohnungseigentumsrecht
24.02.2026
Fristlose Kündigung wegen fortlaufender Zutrittsverweigerung wirksam
29.01.2026
Wohnungsmakler schuldet Schadensersatz wegen Benachteiligung einer Mietinteressentin
28.01.2026
Unzulässigkeit einer gewinnbringenden Untervermietung von Wohnraum
20.11.2025
Ohne Gerichtsurteil keine eigenmächtige Räumung
14.11.2025
Kein Zurückbehaltungsrecht des Wohnungseigentümers am Hausgeld
06.08.2025
Der vermietende Wohnungseigentümer haftet für Sturz des Mieters auf Gemeinschaftsfläche
18.07.2025
Beauftragung von Anwälten und Gutachtern durch die Gemeinschaft der Wohnungseigentümer
18.06.2025
Nutzungsentschädigung nach Mietende: Rückforderung der Mietsache ist entscheidend
26.03.2025
Mieterhöhung aufgrund energetischer Modernisierung
21.03.2025
Ohne Gestattungsbeschluss keine baulichen Veränderungen
14.02.2025
BGH-Urteil zur Kostenverteilung in Wohnungseigentümergemeinschaften
29.01.2025
Schlüssel im Briefkasten reicht für Verjährungsbeginn
22.11.2024
Eigenbedarfskündigung für eine Zweitwohnung
22.10.2024
Mieterhöhung für Mietvertrag über Wohnung und Stellplatz
10.07.2024
Aufrechnung mit verjährten Schadensansprüchen gegen Mietkaution
Home
Drucken
Kontakt
Teilen